Sandro von Lorsch - Expressionist, Europäer, Exzentriker

Eine Recherche von Holger Stienen


Die Bille bei Aumühle (1946)

Familiengeschichte

18. Aug. 1919 Hamburg - 17. Febr. 1992 Hamburg (begraben auf dem Friedhof Ohlsdorf) lebte überwiegend im Raum Hamburg, wo auch viele seiner Bilder entstanden. Durch zahlreiche Reisen in Europa, teilweise schon in der Jugend, nach Spanien, England, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Italien, Tschechien, Österreich und Ungarn (dort auch längere Zeit- familiäre Verbindung) inspiriert, entstanden auch Bilder aus diesen Regionen, besonders viele mit diversen Pariser Motiven.



Von Lorsch entstammte einer Adelsfamilie, den Grafen von Lorsch, die in Lorsch, heute Südhessen, residierten und noch zu Zeiten der Zugehörigkeiten Grafschaft Lorsch zu Württemberg, enteignet wurden. Seine Mutter Bobilla Josefina, entstammte der spanischen Adelsfamilie Rothe de Gomez (heute Geschäftsleute in Madrid) und war familiär mit den Herrscherfamilien Venezuelas und Mexikos verbunden. Sie kam als Spanierin in Budapest zur Welt, wohl als Diplomatenkind, hatte später aber auch einen deutschen Pass. Sein Vater Georg Willy Walter Reichsgraf v. Lorsch und Ritter von Staufenbach, wurde ins KZ nach Lodz verschleppt und dort von den Nazis erschlagen, er unterhielt weltweite Kontakte besonders zum Adel bis ins englische Königshaus hinein. Ihm wurde deshalb offenbar Landesverrat vorgeworfen. S.v.Lorsch war offenbar ein Einzelkind. Wenn der Maler auf seinen Vater zu sprechen kam, weinte er jedes Mal bitterlich. Einige Zeit vor dem Krieg lebte die Familie in Hamburg am Nettelhof beim Jenisch-Park (Nachbarn Fam. Schaller) Lorschs Familie verschlug es zur Jahrhundertwende zunächst nach Mölln und Ratzeburg, wo es Familiengräber bzw. Denkmäler beim Dom gibt. Dann zogen seine Eltern nach Hamburg- Flottbek.

Nach dem Krieg kam der Maler nach Reinbek, nachdem er sich zuvor erfolgreich vor der Einberufung versteckt hatte. Er war zuvor auch von der Gestapo im Alten Stadthaus gefoltert worden, wegen eines provokativen Jugendstreiches, als er mit Freunden auf der Alster ruderte und man am Heck des Kahns die britische Fahne befestigt hatte. Damals versuchte man, ihn für unzurechnungsfähig zu erklären, was ihm wahrscheinlich das Leben gekostet hätte. Er malte auch in dieser Zeit im Geheimen Bilder unter dem Namen Heinz Lorsch, dieser Name taucht noch bis 1949 vereinzelt auf seinen Bildern auf. Es ist davon auszugehen, dass der junge Lorsch privat Mal- und Zeichenunterricht erhielt und zu Hause auch Spanisch und Englisch sprach. Sein RA F.-F. Eggers berichtet, dass v. Lorsch "für kurze Zeit", wie jener ihm sagte, an der Kunstakademie Dresden eingeschrieben war. Vielleicht hat er dort erstmals Kokoschka kennengelernt, der dort noch Professor, allerdings wegen seiner vielen Reisen freigestellt war. Ein wieder aufgetauchtes Ögemälde mit H.Lorsch unterzeichnet, dürfte aus der Vorkriegszeit stammen, also mit 14 oder 15 Jahren gemalt worden sein. Es stellt gegenständlich zwei Gehöfte in den Hochalpen dar am Rande einer Wetterfront, wahrscheinlich in Österreich, wohin die Familie wohl im Sommer verreiste. Dieses Bild erhielt die Familie Dahl nach Aussagen der Geschwister 1946 beim Umzug des v. Lorschen Wohnwagens auf ihr Grundstück (s.u.), vermutlich hatte es die Mutter den Krieg hindurch verwahren können. Ein Bild aus derselben Zeit stellt das Gutshaus einer Familie Busold bei Stettin dar.

Nach dem Krieg weigerte sich v. Lorsch, Hilfe der Familie seiner spanischen Großeltern anzunehmen, auf die er aus bislang unbekannten Gründen schlecht zu sprechen war. Dennoch verleugnete er sein Spanisches Blut nicht gänzlich. Sandro v. Lorschs zweite (erste?) Frau Sylvia von Pogrell ("hübsch, elegant, aristokratisch", lt. Frau Sempell, geb. Roth). entstammte ebenfalls dem Adel eines schlesischen Fürstengeschlechts. Wahrscheinlich kannten sich die Familien schon aus der Vorkriegszeit oder sogar noch länger. Da die v. Pogrells auch in Osteuropa verbreitet waren, namentlich Tschechien, aber auch Ungarn und England (dort Einwanderung Mitte 19 Jh. mehrerer Brüder und Cousins über Dover und Southampton) könnten sie dem Maler auf der Flucht vor den Nazis geholfen und Unterkunft gewährt haben. Silvias Mutter kam aus der ursprünglich bretonisch- englischen Adelsfamilie Butler - Clonebough.